Wintermomente
- Aktuelles
- von Seelenkind
- 15.02.2026

In den letzten Wochen war ich gleich zweimal im Schwarzwald und habe dort eine zauberhafte Winterwelt erlebt, die mich nachhaltig beeindruckt hat und die ich gerne mit dor teilen möchte. Komm´mit auf meine Reise!
Wälder liegen still. Dörfer wirken wie eingekuschelt und aus den Schornsteinen steigt Rauch auf, langsam und gleichmäßig. Nichts drängt. Nichts will etwas von mir. Wenn ich durch den frischen Schnee gehe, höre ich das Knirschen unter meinen Stiefeln. Jeder Schritt ist hörbar. Dieses Geräusch holt mich sofort in´s Jetzt.

Ich bleibe an einem zugefrorenen See stehen und werde ganz still. Dann höre ich es: Ein Knacken, ein Ächzen, manchmal ein Ton, der fast wie ein leises Singen klingt. Gefrorene Seen machen solche Geräusche, wenn sich das Eis bei Kälte zusammenzieht oder bei kleinen Temperaturwechseln wieder ausdehnt. Spannungen lösen sich hörbar. Der See lebt, auch im Stillstand.

Im Wald fällt plötzlich Schnee von einer Tanne. Dieses weiche „Flupp“, wenn die weiße Last nach unten rutscht und im Schnee landet. Ganz nah. Ich drehe mich um - niemand da. Nur dieser eine Moment. Eine Krähe schreckt auf und ihr Flügelschlag durchbricht die Ruhe für einen Augenblick. Dann kehrt die Stille zurück.

Im Schnee entdecke ich Spuren. Wer ist hier gelaufen? Vielleicht ein Reh. Die Spur erzählt von Bewegung, von Leben das da war und weitergezogen ist.
Aus der Ferne höre ich Kinder lachen. Sie fahren Schlitten, rufen sich etwas zu, sind ganz im Spiel. Auch das gehört zum Winter. Ruhe heißt nicht Lautlosigkeit. Ruhe heißt, dass jedes Geräusch Platz hat.
Diese Klänge lassen mich innehalten. Mein Atem wird ruhiger. Meine Gedanken werden langsamer. Der Winter ruht, und doch ist er voller Stimmen, wenn ich bereit bin zuzuhören.
Dann komme ich zurück in die Großstadt. Sie kommt nie zur Ruhe. Menschen laufen aneinander vorbei, Kopfhörer in den Ohren, der Blick am Handy festgehalten. Viel Geräusch. Wenig Wahrnehmung, versunken im eigenen Ich.

Im Schwarzwald finde ich Kraft. Die heilende Wirkung der Natur liegt auch in ihren Geräuschen. Im Knirschen, im Knacken, im leisen Fallen des Schnees. Rückzug bedeutet hier kein Weglaufen. Es ist ein Zurückkommen. Rausgehen. Stillwerden. Hinhören. Dort beginnt Erholung.
Vielleicht erinnerst du dich beim Lesen daran, wie sich Ruhe anfühlt und lässt sie wieder ein Stück näher an dich heran. Vielleicht schon beim nächsten Spaziergang im winterlichen Wald in deiner Nähe?